
Die Tongrube am Mistelberg liegt zwischen Heroldsberg und Kalchreuth am Rand des Sebalder Reichswalds. Seit den 1970er‑Jahren sorgt dieses Gelände immer wieder für Diskussionen – wegen geplanter Projekte, Umweltfragen, rechtlicher Streitigkeiten und zuletzt erneut durch sichtbare Aktivitäten vor Ort.
Google Maps https://www.google.com/maps
Die folgende Chronik zeigt, wie sich all das über mehr als fünf Jahrzehnte entwickelt hat:
1971
Flächenkauf durch Schultheiß von unterschiedlichen Landwirten & Flächentausch (60 ha)
Grundstücke wurden nicht ordentlich gekauft:
Vortäuschung, dass die Grundstücke für Pferde statt eines Werks genutzt werden sollen, deshalb günstig
1973
Antrag auf Einleitung eines Raumordnungsverfahrens zum Bau einer Großziegelei beim LRA eingereicht
Bürgermeister Sulzer (Kalchreuth) und Raab (Heroldsberg) waren für das Projekt (Gewerbesteuer, Arbeitsplätze)
1973
unabhängige Bürgerinitiative gegen Großziegelei wurde gegründet und war 4-5 Jahre aktiv
1750 Unterschriften wurden nach Ansbach geschickt und sind dort „verschwunden“, obwohl sie persönlich übergeben wurden
1981
Gründung BUND Ortsgruppe Heroldsberg
1984
seit 1984 (und bis Mai 2026) ist Ingrid Haubenreißer Vorsitzende der BUND Ortsgruppe Heroldsberg
1986
14.7. Kalchreuther Bürgermeister Sulzer gab grünes Licht
14.10. Genehmigung des Tonabbaus vom LRA kam mit Auflagen:
Randbepflanzung sofort, sukzessive Rekultivierung nach dem abschnittsweisen Ton-Abbau
Der Bau einer Straße von Kalchreuth zum Mistelberg für den Schwerlastverkehr wurde begonnen, die
Heckenpflanzung zur Abgrenzung des Areals wurde nie umgesetzt.
„Bürgerinitiative Kalchreuth – Heroldsberg zur Naherholung und Erhaltung des Reichswald“ wurde gegründet: BUND wurde zusammen mit BI aktiv. Es wurde z.B. ein Spaziergang zur Tongrube organisiert und weitere PR für die Sache gemacht.
Im August
Gründung „Die Grünen OV Heroldsberg“: „Es braucht die Grünen im Gemeinderat!“
1987
Beginn des Ton-Abbaus
Täglich 90 LKW durch Kalchreuth mit entsprechendem Lärm und Dreck
Besichtigung der Ziegelei in Spardorf erreicht:
Es wurden keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, da alles automatisch passiert.
Es werden Zuschlagstoffe verwendet: Styropor, Kalk und Sand.
Zusätzlich gibt es ominöse „schwarze Haufen“: Filterstäube aus Kraftwerk in Sandreuth
Laut einer Ärztin in Nürnberg gibt es viele Patienten aus Uttenreuth mit Allergien:
vermuteter Zusammenhang mit giftigen Abgasen der Ziegelei in Spardorf
Betreiben der Ziegelei in der Tongrube würde bedeuten:
Hauptniederschlag nach Heroldsberg (1-3 km vom Schornstein) mit Kessellage
Für eine Ziegelei am Mistelberg wäre ein über 250 m hoher Schornstein nötig, um Niederschläge in Heroldsberg zu vermeiden.
Die Gewerbesteuer würde am Stammsitz Spardorf abgeführt.
Viele Aktionen: Demos, Fackelzüge, Transparente, Flyer, Presse.
1989
Außerordentliche Bürgerversammlung: Der Antrag, die Unterführung Schleifweg bei Erneuerung nicht zu erhöhen, damit keine LKW mit Ton/Ziegel passieren können, wurde angenommen.
Petition von BI + BUND „keine Errichtung einer Ziegelei“ wurde durch Ausschuss stattgegeben.
Heroldsberg hat die Ziegelei aus dem Flächennutzungsplan entfernt.
Ergebnis: Keine Ziegelei, aber Tonabbau bleibt erlaubt.
1992
Planungen des Landratamts für eine Reststoff- und Ausfalldeponie (Schlacken) innerhalb des Landkreis Erlangen: 21 mögliche Standorte im Landkreis im Vorschlag und die Tongrube am Mistelberg war der Favorit
Professor Magar beauftragt Bodenanalyse auf Dichtigkeit – ist laut dieser Analyse geeignet , da angeblich wasserundurchlässig.
Aber es war schon bekannt, dass nicht alles so dicht ist wie dargestellt:
Die Bürgerinitiative und BUND beauftragen IFU (Institut für Umweltschutz, Boden, Wasser, Luft) mit eigener Studie, mit dem Ergebnis: Klüfte (Hohlräume vorhanden) – dadurch wird es durchlässig und es besteht die Gefahr der Versickerung ins Trinkwasser.
Eigene Pumpversuche von Heroldsberg: Trinkwasserbrunnen werden vom Mistelberg gespeist
Ärzteinitiative Heroldsberg (Dr. Schaaf) – Kalchreuth sämtliche Ärzte beteiligt
Ab 1992 wurde Anwalt Dr. Hofmann-Hoeppel der Kanzlei Baumann aus Würzburg (spezialisiert auf Abfallrecht) beauftragt.
1994
Große Runde im Landratsamt ER mit Oberbürgermeister Hahlweg, Landrat Krug, BUND, BI, Ärzteinitiative, Geologen, und Anwälten und untere Naturschutzbehörde:
Dr. Schaaf kann alle von der Schädlichkeit auf das Trinkwasser überzeugen.
Ergebnis:
– keine Kreismülldeponie in der Tongrube
– Abfallzweckverband hat Antrag zurückgenommen (überhaupt gar keine Deponie im Landkreis, Müll nach Bamberg)
1994
Es tauchen „blaugraue Berge“ in der Tongrube auf. Ingrid Haubenreißer hat es geschafft, Proben zu nehmen: Ablagerung sind giftige Schlämme aus dem Papierrecycling mit Schwermetall drin.
Diese kamen aus Kempten und die Entsorgung einer Tonne dieser Art Sondermüll kostete 700 DM.
Die giftigen Schämme sind mit Ton nach Spardorf und in die Ziegelei gekommen. Diese Vorgänge waren beweisbar und nicht genehmigt. Schwabach hat die untere Naturschutzbehörde informiert.
Anlieger-Familien durften Akten einsehen – BUND hat die notwendigen 78 DM für die Kopien gerne bezahlt. Daraus wurde ersichtlich, dass die Ablagerung nicht genehmigt war und die „Genehmigung“ rückdatiert wurde um für das 1-jährige Versuchsprojekt durch das Landratsamt ERH abgedeckt zu sein.
Diesen Skandal haben die Bürgerinitiative und BUND Ortsgruppe Heroldsberg mit Flugblättern und Plakaten veröffentlicht, woraufhin eine Klage auf Unterlassung durch Schultheiß folgte.
Zur Verhandlung in Nürnberg wurde von Ingrid Haubenreißer ein Bus organisiert und die Presse informiert: Schultheiß verlor den Prozess und schon am nächsten Tag titelte die Abendzeitung „Giftskandal in Heroldsberg“.
Der Kreistagsbeschluss lautete danach: keine Ziegelei, aber der Ton-Abbau ging weiter und es bestand immer die Gefahr einer weiteren Deponie.
2001
Da die Firma Schultheiß sich mit Standorten in den neuen Bundesländern verkalkuliert hatte, wurde sie mit dazugehörigen Rohstoffvorkommen an Andreas Gumbmann verkauft.
Dieser verpachtet alles an die Firma Wienerberger.
2003
Pläne der CSU Kalchreuth für einen großen 18-Loch Golfplatz mit Clubheim im Außenbereich der Tongrube
2005
Gemeinderat Kalchreuth lehnt das Projekt ab.
BUND hat Landwirte informiert, dass das Land als Kulturland (Landwirtschaft) für immer verloren ist, weil der Untergrund mit Splitt aufgefüllt wird, um Staunässe auf dem Golfrasen zu vermeiden.
Die Mehrheit der Landwirte, deren Grundstücke zusätzlich erforderlich gewesen wären, war dagegen.
2006
Die Firma Wienerberger reduziert zunächst die Produktion und stellt sie dann ein.
Die Betriebsgenehmigung wird aufgelöst (siehe Link – allerdings bezieht sich diese nur auf die Ziegelei in Spardorf und nicht auf den Ton-Abbau in der Tongrube).
Ende des Ton-Abbaus in der Tongrube am Mistelberg
Nun war einige Zeit Ruhe
2010
Zuständigkeit ist von Landratsamt ER auf Bergamt Bayreuth übergegangen (wahrscheinlich schon früher)
Firma Gumbmann beantragt einen Abschlussbetriebsplan
Es ist eine Verfüllung mit Bauschutt geplant (im Gespräch: Z1 und Gleisschotter 1,3 Millionen Kubikmeter) durch die Firma Durmin
Sitzung in Kalchreuth zur Plan-Vorstellung
Dr. Hofmann-Hoeppel (inzwischen in seiner eigenen Kanzlei) wurde beauftragt und konnte gewehrt
Fernsehen Frankenschau vor dem Rathaus Heroldsberg mit Ingrid, Haubenreißer Firma Gumbmann, Bürgermeister der Orte, Anwälten und dem Bergamt
Daraufhin wurde der Flächennutzungsplan geändert und der Ton-Abbau wurde aus dem Aufstellungsbeschluss herausgenommen.
2011
Planungsverband Industrieregion Mittelfranken hat dem neuen Flächennutzungsplan zugestimmt
2012
Genehmigung des Abschlussbetriebsplans saP (spezielle artenschutzrechtliche Prüfung) muss gemacht werden (Anmerkung: wurde nie gemacht)
Da der Teich im östlichen Teil immer wieder voll gelaufen ist, wurde er von der Firma Gumbmann abgepumpt. Hierdurch kam es zu problematischen Sedimentablagerung in einem Teich bei Stettenberg. Hieraufhin erhält die Firma Gumbmann Auflagen
Dr. Heimbucher (Geowissenschaftliches Büro in Nürnberg) hat Wasserproben entnommen:
Nachweis, es ist Grundwasser
2013
Die Firma Gumbmann hat auf Verfüllung geklagt, die Verhandlung in Ansbach wird vertagt
2015
Urteil: keine Verfüllung erlaubt
Formale Fehler. und die Firma Gumbmann ist verwunderlicherweise nicht in Revision gegangen
2016
Gemeinderat in Kalchreuth und Heroldsberg: Bebauungsplan „Am Mistelberg – Naturlabor Alte Tongrube“ beschlossen; Heroldsberg: Bebauungsplan Nr. I/18 „Am Mistelberg“
Normenkontrollklage durch die Firma Gumbmann mit neuem Anwalt aus München und nicht mehr aus Erlangen
2020
Dieser Plan wurde mit Urteil des Verwaltungsgerichtshofes München für unwirksam erklärt
Begründung: Eigentümer muss mit ins Boot – seine Belange müssen berücksichtigt werden
Dr. Hofmann-Hoeppel vertritt seitdem nicht mehr Heroldsberg und Kalchreuth
2022
Firma Gumbmann: Anzeige der Wiederaufnahme des Grubenbetriebs / Ton-Abbaus an das Bergamt gestützt auf die frühere Baugenehmigung von 1986; ebenfalls Mitteilung an die Gemeinde Kalchreuth
Gemeinden Kalchreuth und Heroldsberg: Auffassung, dass die Genehmigung für den Ton-Abbau wegen des langen Stillstandes (2006-2026) erloschen ist
Bergamt: Betriebsunterbrechungen wurden angezeigt und genehmigt; Grubenbetrieb kann weitergehen
2022
Empfehlung eines Fachanwalts: beide Gemeinden sollen einen neuen Bebauungsplan „Alte Tongrube“ aufstellen mit dem Planungsziel Sondergebiet für Geologie- und Naturinformation, Flächen für Naherholung sowie Flächen für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft.
Aufstellungsbeschluss der Gemeinde Heroldsberg, um schnell reagieren zu können; Bebauungsplan mit der Bezeichnung Nr. I/19 „Alte Tongrube“; in interkommunaler Abstimmung mit der Gemeinde Kalchreuth
2023
Es tut sich was am östlichen See: es erfolgte eine Aufschüttung!
2026
Neue Aktivitäten im östlichen Teil der Tongrube:
Bagger, Ton-Abbau, Sichtung von beladenen LKWs in Kalchreuth
Was geht da vor?
Die Bürgermeister Otto Klaußner und Jan König wollen ein Gespräch mit der Firma Gumbmann über die neuerlichen Aktivitäten und über die Zukunft der Tongrube führen:
– Juni-Termin verschoben auf Juli
– Juli-Termin abgesagt
