Chronik

Die Tongrube am Mistelberg hat eine lange Geschichte. Sie ging 1971 los mit dem Flächenkauf von der Firma Schultheiß und geht 2026 mit der Planung einer Deponie weiter.

Anmerkungen gerne an info@gruene-heroldsberg.de

1971
Flächenkauf durch Schultheiß von unterschiedlichen Landwirten & Flächentausch (60 ha).
Grundstücke wurden nicht ordentlich gekauft:
Vortäuschung, dass die Grundstücke für Pferde statt eines Werks genutzt werden sollen, deshalb günstig

1973
Antrag auf Einleitung eines Raumordnungsverfahrens zum Bau einer Großziegelei beim LRA eingereicht.
Bürgermeister Sulzer (Kalchreuth) und Raab (Heroldsberg) waren für das Projekt (Gewerbesteuer, Arbeitsplätze)

1973
Unabhängige Bürgerinitiative gegen Großziegelei wurde gegründet und war 4-5 Jahre aktiv.
1750 Unterschriften wurden nach Ansbach geschickt und sind dort „verschwunden“, obwohl sie persönlich übergeben wurden

1981
Gründung BUND Ortsgruppe Heroldsberg

1984
seit 1984 (und bis Mai 2026) war Ingrid Haubenreißer Vorsitzende der BUND Ortsgruppe Heroldsberg

1986
14.7. Kalchreuther Bürgermeister Sulzer gab grünes Licht
14.10. Genehmigung des Tonabbaus vom LRA kam mit Auflagen:
Randbepflanzung sofort, sukzessive Rekultivierung nach dem abschnittsweisen Ton-Abbau

Der Bau einer Straße von Kalchreuth zum Mistelberg für den Schwerlastverkehr wurde begonnen, die
Heckenpflanzung zur Abgrenzung des Areals wurde nie umgesetzt.

„Bürgerinitiative Kalchreuth – Heroldsberg zur Naherholung und Erhaltung des Reichswald“ wurde gegründet: BUND wurde zusammen mit BI aktiv. Es wurde z.B. ein Spaziergang zur Tongrube organisiert und weitere PR für die Sache gemacht.

Im August
Gründung „Die Grünen OV Heroldsberg“: „Es braucht die Grünen im Gemeinderat!“

1987
Beginn des Ton-Abbaus.
Täglich 90 LKW durch Kalchreuth mit entsprechendem Lärm und Dreck

Besichtigung der Ziegelei in Spardorf erreicht:
Es wurden keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, da alles automatisch passiert.
Es wurden Zuschlagstoffe verwendet: Styropor, Kalk und Sand.
Zusätzlich gab es ominöse „schwarze Haufen“: Filterstäube aus Kraftwerk in Sandreuth
Laut einer Ärztin in Nürnberg gab es viele Patienten aus Uttenreuth mit Allergien:
vermuteter Zusammenhang mit giftigen Abgasen der Ziegelei in Spardorf

Betreiben der Ziegelei in der Tongrube würde bedeuten:
Hauptniederschlag nach Heroldsberg (1-3 km vom Schornstein) mit Kessellage
Für eine Ziegelei am Mistelberg wäre ein über 250 m hoher Schornstein nötig, um Niederschläge in Heroldsberg zu vermeiden.
Die Gewerbesteuer würde am Stammsitz Spardorf abgeführt.
Viele Aktionen: Demos, Fackelzüge, Transparente, Flyer, Presse.

1989
Außerordentliche Bürgerversammlung: Der Antrag, die Unterführung Schleifweg bei Erneuerung nicht zu erhöhen, damit keine LKW mit Ton/Ziegel passieren können, wurde angenommen.

Petition von BI + BUND „keine Errichtung einer Ziegelei“ wurde durch Ausschuss stattgegeben.

Heroldsberg hat die Ziegelei aus dem Flächennutzungsplan entfernt.
Ergebnis: Keine Ziegelei, aber Tonabbau bleibt erlaubt.

1992
Planungen des Landratamts für eine Reststoff- und Ausfalldeponie (Schlacken) innerhalb des Landkreis Erlangen: 21 mögliche Standorte im Landkreis im Vorschlag und die Tongrube am Mistelberg war der Favorit

Anwalt Dr. Hofmann-Hoeppel der Kanzlei Baumann aus Würzburg (spezialisiert auf Abfallrecht) wurde durch die Gemeinden Kalchreuth und Heroldsberg beauftragt, sie als Anwalt zu vertreten.

1994
Geotechnisches Institut Prof. Dr. Magar & Partner, Würzburg, erstellte im Auftrag des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Erlangen und ERH ein Gutachten – Ergebnis: Tongrube Kalchreuth war aus geologischer, hydrogeologischer, wasserwirtschaftlicher und geotechnischer Sicht als gut geeignet bewertet.

Aber es war schon bekannt, dass nicht alles so dicht ist wie dargestellt:

Die Bürgerinitiative und BUND beauftragten IFU (Institut für Umweltschutz, Boden, Wasser, Luft) mit eigener Studie, mit dem Ergebnis: Klüfte (Hohlräume vorhanden) – dadurch wird es durchlässig und es besteht die Gefahr der Versickerung ins Trinkwasser.

Eigene Pumpversuche von Heroldsberg: Trinkwasserbrunnen werden vom Mistelberg gespeist.

Ärzteinitiative Heroldsberg (Dr. Schaaf) – Kalchreuth (sämtliche Ärzte beteiligt).

Große Runde im Landratsamt ER mit Oberbürgermeister Hahlweg, Landrat Krug, BUND, BI, Ärzteinitiative, Geologen, und Anwälten und untere Naturschutzbehörde:
Dr. Schaaf konnte alle von der Schädlichkeit auf das Trinkwasser überzeugen.

Ergebnis:
– keine Kreismülldeponie in der Tongrube
– Abfallzweckverband hat Antrag zurückgenommen
– überhaupt gar keine Deponie im Landkreis, Müll nach Bamberg

1994
Es tauchten „blaugraue Berge“ in der Tongrube auf. Es wurden Proben entnommen: Ablagerung waren giftige Schlämme aus dem Papierrecycling mit Schwermetall drin.

Diese kamen aus Kempten und die Entsorgung einer Tonne dieser Art Sondermüll kostete 700 DM.
Die giftigen Schämme sind mit Ton nach Spardorf und in die Ziegelei gekommen. Diese Vorgänge waren beweisbar und nicht genehmigt. Schwabach hat die untere Naturschutzbehörde informiert.

Anlieger-Familien durften Akten einsehen – BUND hat die notwendigen 78 DM für die Kopien gerne bezahlt. Daraus wurde ersichtlich, dass die Ablagerung nicht genehmigt war und die „Genehmigung“ rückdatiert wurde, um für das 1-jährige Versuchsprojekt durch das Landratsamt ERH abgedeckt zu sein.

Diesen Skandal haben die Bürgerinitiative und BUND Ortsgruppe Heroldsberg mit Flugblättern und Plakaten veröffentlicht.

Darauf folgte eine Klage auf Unterlassung durch Schultheiß.

Zur Verhandlung in Nürnberg wurde von Ingrid Haubenreißer (Vorsitzende BUND Ortsgruppe Heroldsberg) ein Bus organisiert und die Presse informiert.

Schultheiß verlor den Prozess.

Schon am nächsten Tag titelte die Abendzeitung „Giftskandal in Heroldsberg“.

Kreistagsbeschluss: keine Ziegelei

Aber der Ton-Abbau ging weiter und es bestand immer die Gefahr einer weiteren Deponie.

2001
Da die Firma Schultheiß sich mit Standorten in den neuen Bundesländern verkalkuliert hatte, wurde sie mit dazugehörigen Rohstoffvorkommen an Andreas Gumbmann verkauft.
Dieser verpachtet alles an die Firma Wienerberger.

2003
Der Betrieb wechselte in das Bergrecht. D.h. die Zuständigkeit ist vom Landratsamt ERH auf das Bergamt Nordbayern in Bayreuth übergegangen. Durch Aktenübergabe im Juli.

2003
Pläne der CSU Kalchreuth für einen großen 18-Loch Golfplatz mit Clubheim im Außenbereich der Tongrube

2005
Gemeinderat Kalchreuth lehnt das Projekt ab.
BUND hat Landwirte informiert, dass das Land als Kulturland (Landwirtschaft) für immer verloren wäre, weil der Untergrund mit Splitt aufgefüllt wird, um Staunässe auf dem Golfrasen zu vermeiden.
Die Mehrheit der Landwirte, deren Grundstücke zusätzlich erforderlich gewesen wären, war dagegen.

2005
Die Firma Wienerberger reduzierte zunächst die Produktion und stellte sie dann ein.
Die Betriebsgenehmigung wurde aufgelöst (siehe Link – allerdings bezieht sich diese nur auf die Ziegelei in Spardorf und nicht auf den Ton-Abbau in der Tongrube). In diesem Zusammenhang wurde auch der Ton-Abbau in der Tongrube beendet (oder unterbrochen, weil 2022 der Ton-Abbau wieder aufgenommen wird).

Ende des Ton-Abbaus in der Tongrube am Mistelberg
Nun war einige Zeit Ruhe

2010
Firma Schultheiß verkaufte die Tongrube an die Fa. Durmin.

Fa. Durmin plante eine Verfüllung mit Bauschutt (im Gespräch: Z1-Material, Z2-Material, Gleisschotter und 1,3 Millionen Kubikmeter).

Fa. Durmin beantragte die Zulassung eines Abschlussbetriebsplanes mit Verfüllung. Im Osten sollte der Tonabbau endgültig beendet werden und durch die Verfüllung (-> „Rekultivierung“) die ursprüngliche Geländeform wiederhergestellt werden. Im westlichen Teil sollte der Tonabbau wiederaufgenommen werden und nach ca. 10 Jahren ebenfalls verfüllt werden.

Dr. Hofmann-Hoeppel (inzwischen in seiner eigenen Kanzlei) wurde wieder beauftragt, die Gemeinden Kalchreuth und Heroldsberg zu vertreten und eine Stellungsnahme abzugeben.

Fernsehen Frankenschau vor dem Rathaus Heroldsberg mit Ingrid Haubenreißer (Vorsitzende BUND Ortsgruppe Heroldsberg), Fa. Durmin, Bürgermeister der Orte, Anwälten und dem Bergamt.

Die Gemeinden Heroldsberg und Kalchreuth änderten den Flächennutzungsplan und nahmen den Ton-Abbau heraus.

2011
Planungsverband Industrieregion Mittelfranken hat dem neuen Flächennutzungsplan zugestimmt

2012
Genehmigung des Abschlussbetriebsplans durch das Bergamt Nordbayern: saP (spezielle artenschutzrechtliche Prüfung) musste gemacht werden (Anmerkung: wurde nie gemacht).

Da der Teich im östlichen Teil immer wieder voll gelaufen ist, wurde er von der Fa. Durmin abgepumpt. Hierdurch kam es zu problematischen Sedimentablagerung in einem Teich bei Stettenberg. Hieraufhin erhielt die Fa. Durmin Auflagen.

Die Gemeinden Heroldsberg und Kalchreuth klagten gegen den Genehmigungsbescheid.

2013
Das Verwaltungsgericht Ansbach vertagte die Verhandlung.

2015
Das Verwaltungsgericht Ansbach hob die Zulassung des Abschlussbetriebsplans auf. Die kommunale Planungshoheit und ihre rechtliche Berücksichtigung waren zentrale Themen.

Fa. Durmin ist (verwunderlicherweise) nicht in Revision gegangen.

2016
Gemeinderat in Kalchreuth und Heroldsberg: Bebauungsplan „Am Mistelberg – Naturlabor Alte Tongrube“ beschlossen; Heroldsberg: Bebauungsplan Nr. I/18 „Am Mistelberg“

Normenkontrollklage durch Fa. Durmin beim bayrischen Verwaltungsgerichtshofes.

2020
Dieser Plan wurde mit Urteil des Verwaltungsgerichtshofes München für unwirksam erklärt
Begründung: Eigentümer muss mit ins Boot – seine Belange müssen berücksichtigt werden.

Der Verwaltungsgerichtshof hielt fest, dass der Kaufvertrag rückabgewickelt wurde. Der Eigentümer der Tongrube war also wieder Fa. Schultheiß.

2022
Fa. Schultheiß: Anzeige der Wiederaufnahme des Grubenbetriebs / Ton-Abbaus an das Bergamt gestützt auf die frühere Baugenehmigung von 1986; ebenfalls Mitteilung an die Gemeinde Kalchreuth

Bergamt: Betriebsunterbrechungen wurden angezeigt und genehmigt; Ton-Abbau kann weitergehen

2022
Empfehlung eines Fachanwalts: beide Gemeinden sollen einen neuen Bebauungsplan „Alte Tongrube“ aufstellen mit dem Planungsziel Sondergebiet für Geologie- und Naturinformation, Flächen für Naherholung sowie Flächen für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft.

Aufstellungsbeschluss der Gemeinde Heroldsberg, um schnell reagieren zu können; Bebauungsplan mit der Bezeichnung Nr. I/19 „Alte Tongrube“; in interkommunaler Abstimmung mit der Gemeinde Kalchreuth

2023
Es tat sich was am östlichen See: es erfolgte eine Aufschüttung!

2026
Neue Aktivitäten im östlichen Teil der Tongrube:
Bagger, Ton-Abbau, Sichtung von beladenen LKWs in Kalchreuth

Was geht da vor?
Ist wieder eine Deponie geplant?

18. September 2026

Die Fa. Schultheiß beantragte eine Deponie der Klasse 1. Dafür wurde das Planfeststellungsverfahren zur Zulassung der Deponie der Klasse 1 Kalchreuth eröffnet. Die Unterlagen liegen bis zum 18. Oktober aus. Die Einwendungsfrist ist bis zum 2. November.